VW-Abgas-Skandal: Kunde gewinnt gegen Autohaus


Der VW-Abgas-Skandal: Auch beim Landgericht Hagen sind inzwischen zahlreiche Klagen verärgerter Kunden anhängig. In bislang 13 Zivilprozessen müssen sich die Richter dort mit der manipulierten Abgas-Software des Wolfsburger Autokonzerns beschäftigen. Rechtsanwalt Matthias Bentlage: „Die Chancen, erfolgreich Ansprüche gegen Volkswagen durchsetzen zu können, sind gestiegen. Ein richtungsweisendes Urteil des Landgerichts Braunschweig hat endlich die Basis dafür geschaffen.“

In Hagen wurde jetzt ein Autohaus verurteilt, einen VW Tiguan zurückzunehmen. Die 3. Zivilkammer entschied, dass der Kaufpreis bis auf 1430 Euro zurückerstattet werden muss. Der Käufer war mit dem Fahrzeug zwischenzeitlich 12.800 Kilometer gefahren. Das Urteil wird jedoch beim Oberlandesgericht Hamm in die Berufung gehen.

Wichtig ist in jedem Fall der geforderten Rückabwicklung, dass der Kunde wirksam vom Kaufvertrag zurückgetreten ist. Das setzt voraus, dass ein erheblicher Mangel vorliegt. Dem Verkäufer muss jedoch die Möglichkeit zur Nachbesserung gegeben werden. Einem Audi-A6-Käufer wurde das vor der 8. Zivilkammer zum Verhängnis. Er hatte sofort die Rückzahlung verlangt – und verlor die Klage.

Rechtsanwalt Jan Kemperdiek und sein Kollege Matthias Bentlage informierten in einer Vortragsveranstaltung über den Abgas-Skandal und die Folgen für die Kunden. Die Westfalenpost/Westfälische Rundschau nahm das zum Anlass, Anwalt Bentlage zu interviewen. Die Fragen stellte Hubertus Heuel. (Gekürzte Fassung).

Wie stehen die Chancen für VW-Besitzer, den manipulierten Wagen zurückzugeben? -Bentlage: Sie haben sich verbessert. – Inzwischen entscheiden immer mehr Gerichte zugunsten der Verbraucher. – Es gibt ein gut begründetes Urteil des Landgerichts Hildesheim, in dem sogar von Betrug durch den VW-Konzern die Rede ist.

Droht nicht ohnehin bald eine Verjährung etwaiger Ansprüche? – Bentlage: So ist es. Die Gewährleisung für Neuwagen erlischt nach zwei Jahren, bei Gebrauchtwagen sogar nach einem Jahr. – Bei deliktischen Ansprüchen, die sich aus Betrug ergeben, ist jedoch maßgebend, wann ich Kenntnis davon erhalten habe, dass ich betrogen worden bin. So kann man bis Ende 2018 Ansprüche geltend machen. – Das ist für viele Kunden die mögliche Rettung.

Auf wiederlesen – Auf der Seite der Guten.